Architektur und Handwerk sind untrennbare Partner, wenn es um Baukultur geht. Am 6. März trafen deshalb die Protagonisten dieser beiden Bereiche aufeinander. Im Blaha Office im Bisamberger Ortsteil Klein-Engersdorf fand bereits zum vierten Mal die Fachveranstaltung „Brennpunkt holzbau austria“ statt. Das noch junge Format von holzbau austria und ihren Leistungspartnern lockte an die 100 Interessierte in die Firmenzentrale des Büromöbelherstellers. Sechs gelungene Holzbauprojekte kamen dabei zur Vorstellung und auch das Rahmenprogramm mit ausgiebiger Netzwerkmöglichkeit im über 20-jährigen Holzbau von Blaha machte die Veranstaltung besonders. Im Fokus der Referenten standen spezielle Ausgangslagen, besondere Herausforderungen und gute Lösungen. Nach jedem Vortrag standen die Projektpartner natürlich für den fachlichen Austausch zur Verfügung. Begrüßt wurde das bis auf den letzten Platz gefüllte Auditorium von Leonhard Huetz, Experte zu Themen wie Kreislaufwirtschaft und Technik beim Verband holzbau austria. Er bedankte sich bei allen Leistungspartnern für die langjährige Unterstützung. Viele Neue kamen in den vergangenen Monaten hinzu, was ein gutes Zeichen für die positiven Aspekte einer Zusammenarbeit ist. Obmann und Burgenlands Landesinnungsmeister Josef Sachs freute sich auf einen Erfahrungsaustausch mit anwesenden Holzbauprofis. Diese stellten sich die zentrale Frage: Auf welche Faktoren kommt es derzeit beim Bauen an? Auf den Faktor „Kosten" sicherlich heute mehr denn je. Wenn nun zusätzlich das Segment Nachhaltigkeit in den Fokus der Bauherrschaft rückt, dann sind die Argumente „wenig Bodenverbrauch" und „Ressourceneffizienz" beinahe genauso stark gefragt wie Wirtschaftlichkeit.
Höchster Holzhybrid der Welt
Johannes Habenbacher vom Hersteller KLH zog die Zuhörer in den Bann des derzeit höchsten Holzhybridgebäudes der Welt. Der Wohnriese „Ascent“ in Milwaukee/Wisconsin wurde im Juli 2022 fertiggestellt und beeindruckt mit 86,5 m Höhe und 25 Stockwerken, davon sind 19 in Holzbauweise. Das Projekt besteht zu 50 % aus freiliegenden Holzstützen, -balken und -decken. Bei dem einzigartigen Bauverfahren wurden vorgefertigte Säulen und Balken mit werkseitig integrierten Verbindungselementen verwendet, was den Bauprozess um etwa 25 % beschleunigte.
Neues Quartier im Herzen von Innsbruck
Johannes Traupmann von pxt Architekten berichtete über den aktuellen Baustand beim neuen Innsbrucker Stadtquartier RAIQA, das hochwertigen Platz für ein Hotel und die Zentrale der Raiffeisen Landesbank schafft. Ein klassischer Altbau aus den 1960er Jahren wurde dafür bis auf das Betonskelett ausgehöhlt. Auf diese Tragstruktur wurde dann in Holzbauweise mittels gestapelter Holzboxen aufgebaut. Traupmann erzählte von einer nicht einfachen Logistik im dichten Stadtgefüge der Tiroler Landeshauptstadt und von Kränen, die beinahe die Einflugschneise des Innsbrucker Flughafens tangierten.
Drei Geschoße in nur sechs Wochen
Hermann Dorn von Trecolore Architects schilderte über den Bau des neuen Unternehmenssitzes von Hasslacher in Preding. Mit dem neuen Büro- und Verwaltungsgebäude ist ein innovatives, nachhaltiges und wirtschaftliches Projekt errichtet worden, welches die „DNA“ der Unternehmensgruppe widerspiegelt. „Das klare Ziel dabei war das Schaffen eines Headquarters, das sowohl den praktischen Anforderungen des Unternehmens mit flexibel gestaltbaren Nutzflächen und der eigenen Betriebskantine gerecht wird, um eine zukünftige Anpassung an die Entwicklung des Standortes zu ermöglichen“, berichtete Dorn. Zusätzlich wurden auch Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt, um einen wirtschaftlichen und ökologischen Betrieb zu ermöglichen.
Wohnbauprojekt der Bundesforste
Im Vortrag von Architekt Paul Seiler ging es um ein umweltbewusstes Doppelhäuser-Wohnprojekt der Österreichischen Bundesforste in Tenneck. Wo immer es sinnvoll ist, entwickeln die Bundesforste ihre Gebäude beziehungsweise Grundstücke selbst und setzen dabei auf eine energie- und ressourcenschonende Bauweise, so wie auch beim aktuellen Holzbauprojekt mit dem Namen „Miramonte“. Insgesamt wurden dort rund 630 m³ Fichten- und Lärchenholz mit Elementen von KLH verbaut. Hinzu kommen weitere 350 m³an Holzfaserdämmung. Die fünf Baukörper unterscheiden sich nur gering. Ein Haus ist unterkellert und verbirgt darin die zentrale Versorgung für die gesamte Anlage. Der serielle Aufbau ging sehr rasch und orientiere sich am Prototyp. „Um allfällige Probleme zu beheben und Fehler zu vermeiden, haben wir zunächst ein Haus komplett errichtet. Erst danach folgten die anderen vier Häuser“, weiß Seiler. Besonders erfreulich ist, dass bei diesem Projekt bewusst auf Regionalität gesetzt wurde. Gebaut wurde es zur Gänze von ortsansässigen Firmen.
Wohnbauprojekt in Blockbauweise
Kennengelernt haben sich Holzbau-Meister Johannes Reisecker und Architektin Teresa König von kontur 2016 beim Lehrgang überholz. Daraus resultierten eine langjährige Freundschaft und gemeinsame Bauprojekte, die mit dem „Binderbauer“ starteten. Die Revitalisierung eines Innviertler Vierkanthofes aus dem Jahr 1860 war damals ein Herzensprojekt für die junge Planerin, schließlich wird der Hof von Reisecker persönlich bewohnt. Über einem alten Gewölbekeller (dem besten Mostkeller in der Umgebung) wurde das neue Wohnhaus in Tanne massiv errichtet. Auf diese Holzart setzte man auch beim Mitarbeiter-Wohnbau für Holzbau Reisecker in Roßbach mit innovativer Blockbauweise. Das Privathaus diente quasi als Materialschau und Orientierung. Vorgefertigte Holzelemente und die leim- sowie metallfreie Konstruktion stärken nun die regionale Arbeitgebermarke und setzen neue Maßstäbe im klimafreundlichen Holzbau.
Baugruppe meets Wohnbau aus Holz
Über ein nachhaltiges Holzhybrid-Bauprojekt mit 117, teils geförderten Wohneinheiten, Gewerbe, Kindergarten und partizipativer Planung in Wien handelte der Vortrag von Architekt Richard Scheich (feld72) und Harald Hobacher von pde Integrale Planung, einer Tochterfirma der Porr. Scheich betonte die Wichtigkeit einer frühen und engen Zusammenarbeit mit dem Generalunternehmer. So gestaltete sich ihr Vortrag auch abwechselnd und auf Augenhöhe. Der Bau wird Anfang Sommer fertiggestellt und so gab es die ersten Insiderinfos zu „Vis-à-Vis“, einem skalierbaren und ressourcenschonenden Pilotprojekt im Zuge der Fachtagung. Es ist Teil eines Forschungsprojektes, das durch die FFG gefördert wird. Das Gesamtprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Aspangbahn- Bahnhofs soll inklusive seiner Baugruppe ein Best Practice-Beispiel für viele andere Projekte sein. Im Erd- und Untergeschoß des Sechsgeschoßers öffnet sich das Gebäude dem Grätzl und der Nachbarschaft. Die Grätzlküche bildet gemeinsam mit dem zuschaltbaren Multifunktionsraum das Herz des Hauses. Die Sockelzone wird mit weiteren attraktiven Angeboten belebt. Laubengänge und das Dach des Hauses werden begrünt, um das Mikroklima zu fördern.