Brennpunkt holzbau austria

Ein Artikel von Birgit Gruber | 03.04.2025 - 13:00
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© Birgit Gruber

Architektur und Handwerk sind untrennbare Partner, wenn es um Baukultur geht. Am 6. März trafen des­halb die Protagonisten dieser beiden Bereiche auf­einander. Im Blaha Office im Bisamberger Ortsteil Klein-Engersdorf fand bereits zum vierten Mal die Fachveranstaltung „Brennpunkt holzbau austria“ statt. Das noch junge Format von holzbau austria und ihren Leistungspartnern lockte an die 100 Interessierte in die Firmenzentrale des Büromöbelherstellers. Sechs ge­lungene Holzbauprojekte kamen dabei zur Vorstellung und auch das Rahmenprogramm mit ausgiebiger Netz­werkmöglichkeit im über 20-jährigen Holzbau von Blaha machte die Veranstaltung besonders. Im Fokus der Referenten standen spezielle Ausgangslagen, be­sondere Herausforderungen und gute Lösungen. Nach jedem Vortrag standen die Projektpartner natürlich für den fachlichen Austausch zur Verfügung. Begrüßt wurde das bis auf den letzten Platz gefüllte Auditorium von Leonhard Huetz, Experte zu Themen wie Kreislauf­wirtschaft und Technik beim Verband holzbau austria. Er bedankte sich bei allen Leistungspartnern für die langjährige Unterstützung. Viele Neue kamen in den vergangenen Monaten hinzu, was ein gutes Zeichen für die positiven Aspekte einer Zusammenarbeit ist. Ob­mann und Burgenlands Landesinnungsmeister Josef Sachs freute sich auf einen Erfahrungsaustausch mit anwesenden Holzbauprofis. Diese stellten sich die zentrale Frage: Auf welche Faktoren kommt es der­zeit beim Bauen an? Auf den Faktor „Kosten" sicherlich heute mehr denn je. Wenn nun zusätzlich das Segment Nachhaltigkeit in den Fokus der Bauherrschaft rückt, dann sind die Argumente „wenig Bodenverbrauch" und „Ressourceneffizienz" beinahe genauso stark ge­fragt wie Wirtschaftlichkeit. 

Höchster Holzhybrid der Welt

Johannes Habenbacher vom Her­steller KLH zog die Zuhörer in den Bann des derzeit höchsten Holzhyb­ridgebäudes der Welt. Der Wohnriese „Ascent“ in Milwaukee/Wisconsin wurde im Juli 2022 fertiggestellt und beeindruckt mit 86,5 m Höhe und 25 Stockwerken, davon sind 19 in Holz­bauweise. Das Projekt besteht zu 50 % aus freiliegen­den Holzstützen, -balken und -decken. Bei dem ein­zigartigen Bauverfahren wurden vorgefertigte Säulen und Balken mit werkseitig integrierten Verbindungs­elementen verwendet, was den Bauprozess um etwa 25 % beschleunigte.

Neues Quartier im Herzen von Innsbruck

Johannes Traupmann von pxt Architekten be­richtete über den aktuel­len Baustand beim neuen Innsbrucker Stadtquar­tier RAIQA, das hochwer­tigen Platz für ein Hotel und die Zentrale der Raiffeisen Landesbank schafft. Ein klassischer Altbau aus den 1960er Jahren wurde dafür bis auf das Betonskelett ausgehöhlt. Auf diese Tragstruktur wurde dann in Holzbauweise mittels ge­stapelter Holzboxen aufgebaut. Traupmann erzählte von einer nicht einfachen Logistik im dichten Stadt­gefüge der Tiroler Landeshauptstadt und von Kränen, die beinahe die Einflugschneise des Innsbrucker Flug­hafens tangierten.

Drei Geschoße in nur sechs Wochen

Hermann Dorn von Trecolore Architects schilderte über den Bau des neuen Unterneh­menssitzes von Hasslacher in Preding. Mit dem neuen Büro- und Verwaltungsge­bäude ist ein innovatives, nachhaltiges und wirtschaftliches Projekt errichtet wor­den, welches die „DNA“ der Unternehmensgruppe wider­spiegelt. „Das klare Ziel dabei war das Schaffen eines Headquarters, das sowohl den praktischen Anforderun­gen des Unternehmens mit flexibel gestaltbaren Nutzflä­chen und der eigenen Betriebskantine gerecht wird, um eine zukünftige Anpassung an die Entwicklung des Stand­ortes zu ermöglichen“, berichtete Dorn. Zusätzlich wurden auch Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt, um einen wirtschaftlichen und ökologischen Betrieb zu ermöglichen.

Wohnbauprojekt der Bundesforste

Im Vortrag von Archi­tekt Paul Seiler ging es um ein umweltbewuss­tes Doppelhäuser-Wohn­projekt der Österreichi­schen Bundesforste in Tenneck. Wo immer es sinnvoll ist, entwickeln die Bundesforste ihre Ge­bäude beziehungsweise Grundstücke selbst und set­zen dabei auf eine energie- und ressourcenschonende Bauweise, so wie auch beim aktuellen Holzbaupro­jekt mit dem Namen „Miramonte“. Insgesamt wur­den dort rund 630 m³ Fichten- und Lärchenholz mit Elementen von KLH verbaut. Hinzu kommen weitere 350 m³an Holzfaserdämmung. Die fünf Baukörper unterscheiden sich nur gering. Ein Haus ist unterkel­lert und verbirgt darin die zentrale Versorgung für die gesamte Anlage. Der serielle Aufbau ging sehr rasch und orientiere sich am Prototyp. „Um allfällige Pro­bleme zu beheben und Fehler zu vermeiden, haben wir zunächst ein Haus komplett errichtet. Erst danach folgten die anderen vier Häuser“, weiß Seiler. Beson­ders erfreulich ist, dass bei diesem Projekt bewusst auf Regionalität gesetzt wurde. Gebaut wurde es zur Gänze von ortsansässigen Firmen.

Wohnbauprojekt in Blockbauweise

Kennengelernt haben sich Holzbau-Meister Johan­nes Reisecker und Architektin Teresa König von kon­tur 2016 beim Lehrgang überholz. Daraus resultier­ten eine langjährige Freundschaft und gemeinsame Bauprojekte, die mit dem „Binderbauer“ starteten. Die Revitalisierung eines Innviertler Vierkanthofes aus dem Jahr 1860 war damals ein Herzensprojekt für die junge Planerin, schließlich wird der Hof von Reisecker persönlich bewohnt. Über einem alten Gewölbekeller (dem besten Mostkeller in der Umgebung) wurde das neue Wohnhaus in Tanne massiv errichtet. Auf diese Holzart setzte man auch beim Mitarbeiter-Wohnbau für Holzbau Reisecker in Roßbach mit innovativer Block­bauweise. Das Privathaus diente quasi als Material­schau und Orientierung. Vorgefertigte Holzelemente und die leim- sowie metallfreie Konstruktion stärken nun die regionale Arbeitgebermarke und setzen neue Maßstäbe im klimafreundlichen Holzbau.

Baugruppe meets Wohnbau aus Holz

Über ein nachhaltiges Holzhybrid-Bauprojekt mit 117, teils geförder­ten Wohneinheiten, Ge­werbe, Kindergarten und partizipativer Planung in Wien handelte der Vor­trag von Architekt Richard Scheich (feld72) und Ha­rald Hobacher von pde Integrale Planung, einer Toch­terfirma der Porr. Scheich betonte die Wichtigkeit einer frühen und engen Zusammenarbeit mit dem General­unternehmer. So gestaltete sich ihr Vortrag auch ab­wechselnd und auf Augenhöhe. Der Bau wird Anfang Sommer fertiggestellt und so gab es die ersten Insi­derinfos zu „Vis-à-Vis“, einem skalierbaren und res­sourcenschonenden Pilotprojekt im Zuge der Fachta­gung. Es ist Teil eines Forschungsprojektes, das durch die FFG gefördert wird. Das Gesamtprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Aspangbahn- Bahnhofs soll inklusive seiner Baugruppe ein Best Practice-Beispiel für viele andere Projekte sein. Im Erd- und Unterge­schoß des Sechsgeschoßers öffnet sich das Gebäude dem Grätzl und der Nachbarschaft. Die Grätzlküche bildet gemeinsam mit dem zuschaltbaren Multifunk­tionsraum das Herz des Hauses. Die Sockelzone wird mit weiteren attraktiven Angeboten belebt. Lauben­gänge und das Dach des Hauses werden begrünt, um das Mikroklima zu fördern.